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Brust-OP: Wunderwaffe oder Pokerspiel?

Es ist unbestreitbar: Viele Frauen sind mit ihrer Oberweite unzufrieden. Einer Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie zufolge werden in Deutschland jährlich um die 15.000 bis 20.000 Implantate eingesetzt. Klar ist aber auch: Das Schönheitsideal, das uns die Medienwelt vorgaukelt, hilft nicht sonderlich beim Aufbau eines gesunden Selbstbewusstseins. Wir haben einen Experten gefragt: Was bringt uns eine Brust-OP wirklich?

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Zu hoch gepokert?

Wie muss Frau aussehen?

Laut Medien haben wir da zahlreiche Möglichkeiten: Blond und schlank wie Heidi Klum, gold-brünett und kurvig wie Jennifer Lopez oder zierlich, schwarzhaarig und exotisch wie Selena Gomez. Da stehen uns doch alle Türen offen! Doch all diese Frauen haben eines gemeinsam: Sie sehen fast makellos aus. Dass prominente Frauen nicht die Durchschnittsfrau repräsentieren, vergessen wir schnell aufgrund ihrer Omnipräsenz in Internet, Fernsehen, Zeitungen und vor allem: in unseren Köpfen. Wir vergessen dabei sicherlich auch, wie fortgeschritten Bearbeitungssoftwares mittlerweile sind.

Doch das Schönheitsideal steht fest: Frau muss sexy sein, Frau braucht schöne Brüste. Besonders bei körperlichen und psychischen Leiden sind Brust-OPs ein anerkanntes medizinisches Mittel. Brust-Operationen sind dabei nicht immer mit Silikonkissen gleichzusetzen. Etliche Frauen lassen ihre Brüste auch verkleinern, straffen oder anderweitig korrigieren. Silikon ist bei Vergrößerungen der Klassiker, neue Methoden mit Eigenfett sind allerdings immer mehr im Kommen.

Allerspätestens seit dem alarmierenden Skandal rund um gefährliche Implantate des französischen PIP-Herstellers sind Frauen verunsichert. Wir haben mit dem erfahrenen plastischen Chirurgen Dr. Ensat, Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie in Österreich, gesprochen. Welche Brustoperationen sind die „Verkaufsschlager“, was kann Frau nach der OP erwarten und was sind die konkreten Risiken?

Die Gretchenfrage: Echt oder falsch?

Womensvita: Hr. Dr. Ensat, chirurgische Eingriffe an der weiblichen Brust werden in der ästhetischen Chirurgie beständig vorgenommen. Was sind die häufigsten Eingriffe Ihrer Erfahrung nach?

Dr. Florian Ensat: Der häufigste ästhetische Eingriff an der weiblichen Brust ist die Brustvergrößerung. Der Grund dafür ist sicherlich, dass der Eingriff und das Ergebnis gut planbar sind, die Patientinnen zumeist dauerhaft sehr glücklich mit dem Ergebnis sind. Weiter werden Brustverkleinerungen und Bruststraffungen sowie Korrekturen bei tubulärer Brust und Brustwarzenkorrekturen häufig durchgeführt.

Wann sollte eine Brustvergrößerung mit Eigenfett und wann mit Silikonimplantaten gemacht werden?

Die Brustvergrößerung mit Eigenfett ist erst seit wenigen Jahren durch Verfeinerung der Technik gut durchführbar. Der offensichtliche Vorteil ist, dass Fett an einer anderen Körperstelle abgesaugt und dann im Bereich der Brust injiziert wird. Das Fett darf dabei niemals in die Brustdrüse selbst sondern nur in das Unterhautfettgewebe und im Bereich des großen Brustmuskels injiziert werden. Sinnvoll ist die Brustvergrößerung mit Eigenfett nur bei geringem Vergrößerungswunsch oder zum Ausgleich bei unterschiedlich großen Brüsten. Für eine Brustvergrößerung sind Implantate sonst zumeist besser geeignet.

Wie schaut es mit der Stillfähigkeit (ja nach OP-Variante) aus?

Bei der Brustvergrößerung bringe ich das Implantat zumeist über einen Schnitt in der natürlichen Unterbrustfalte unter den großen Brustmuskel ein, um eine optimale Weichteilbedeckung des Implantates im oberen Anteil der Brust und damit ein natürliches Erscheinungsbild zu erreichen. Bei dieser Technik kommt man praktisch mit der Brustdrüse nicht in Kontakt, wodurch die Stillfähigkeit zumeist erhalten bleibt. Bei verschiedenen Techniken der Bruststraffung und Brustverkleinerung wird jedoch teilweise Drüsengewebe entfernt und die Position und Größe von Brustwarze und Brustwarzenvorhof korrigiert, wodurch auch die Stillfähigkeit nach der Brust-OP eigeschränkt sein kann. Ich erkläre meinen Patientinnen daher vor jeder Brustoperation, dass theoretisch das Risiko einer eingeschränkten Stillfähigkeit besteht. Manchmal ist es daher sinnvoller, bei gerade bestehendem Kinderwunsch, mit der OP den Abschluss der Familienplanung abzuwarten.

Silikon: Ein Freund für’s Leben?

Wenn Sie heute Silikonimplantate einsetzen, wie viele Jahre können diese ohne Bedenken getragen werden (sofern keine Komplikationen auftreten)?

Das Wichtigste ist nur Implantate höchster Qualität zu verwenden. Gerade der Skandal rund um die französischen PIP-Implantate hat gezeigt, dass leider manchmal an der falschen Stelle gespart wird, wodurch schlussendlich die Patienten Schaden nehmen. Die von mir verwendeten Implantate der Firma Allergan entsprechen den höchsten Qualitätsansprüchen und haben sogar den äußerst strengen Qualitätsansprüchen der US-amerikanischen FDA entsprochen. Diese Implantate müssen nicht wie früher alle zehn Jahre ausgewechselt werden, sondern können dauerhaft belassen werde, sofern keine Probleme auftreten.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie…

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Gibt es einen Zusammenhang zwischen Brustkrebsrisiko und Brust-OPs?

Betreffend Brustvergrößerungen gibt es keinen Hinweis auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Patientinnen mit Brustimplantaten. Nachdem aber in Europa jede sechste Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt, ist es äußerst wichtig, dass jede Frau regelmäßig Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen durchführen lässt. Ferner ist wissenschaftlich erwiesen, dass Patientinnen nach Brustverkleinerungen durch die Reduktion des Drüsengewebes ein geringeres Brustkrebsrisiko aufweisen. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass vor und nach jeder Brustoperation bildgebende Verfahren in regelmäßigen Abständen zu erfolgen haben.

Was gilt es bei einer Bruststraffung zu beachten?

Die Bruststraffung ist vor allem für Frauen geeignet, die nach Gewichtsschwankungen, Schwangerschaft oder anlagebedingt mit ihrer Brustform unzufrieden sind. Das Ziel ist es, aus schlaffen und hängenden Brüsten, wohlgeformte Brüste mit attraktivem Aussehen zu formen. Dabei wird vor allem überschüssige Haut entfernt, eine attraktive Brust geformt und die Brustwarze nach oben versetzt. Oft leidet das Selbstwertgefühl gerade bei jungen Frauen, wenn eine hängende Brust mit unschöner Form schon in frühen Jahren besteht. Mit der Bruststraffung kann man das hervorragend korrigieren.

Was raten Sie jeder Frau, bevor sich diese die Brüste verändern lässt?

Wichtig ist es, sich nur von einem erfahrenen Facharzt ausführlich beraten und operieren zu lassen. Nur ein Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie beherrscht das gesamte Spektrum der ästhetischen und wiederherstellenden Brustchirurgie. Eine Brustoperation soll gut überlegt sein, denn wie bei jeder OP gibt es auch Risiken und Komplikationen. In den Händen eines seriösen Plastischen Chirurgen lassen sich jedoch wunderbare Ergebnisse erzielen, die viele Frauen auf Dauer glücklich machen.

Hr. Dr. Ensat, wir danken für das interessante Gespräch!

Unser Interviewpartner Dr. Florian Ensat widmet sich dem Thema Brust-OP auf www.brustvergroesserung-info.at noch ausführlicher.

Womensvita-Fazit:

Es kann auf dem Gebiet Brust-OP keine Garantien geben, denn operative Eingriffe werden immer mit Risiken verbunden sein. Auch wenn die neuesten Technologien immer organismusfreundlicher sind, bleibt der Eingriff erheblich und das Silikonkissen ein Fremdkörper.

Falls Frau dennoch einen Eingriff für zwingend erforderlich hält, sollten vier wichtige Aspekte beachtet werden:

  • Eine ausgedehnte Beratung mit verschiedenen Einrichtungen im Vergleich
  • Durchführung nur von einem erfahrenen Facharzt mit Kompetenzen in den Bereichen plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirugie
  • Keine Kurzschlussentscheidungen!
  • Eine OP kann niemals tiefgehende Selbstwertprobleme lösen -> hierfür lieber eine Therapie in Erwägung ziehen

 

Bilder: Shutterstock.com/Vasilchenko Nikita, http://www.brustvergroesserung-info.at

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