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Im Gespräch mit Pünktchen: „Ich blogge am liebsten über das, was mich gerade bewegt und berührt.“

Schreiben scheint eine Leidenschaft vieler Blogger zu sein, vor allem aber die von Pünktchen. Mithilfe eines Blogs schaffte es die vielbeschäftige Zweifachmama wieder ihren Interessen nachzugehen: Geschichten zu erzählen, sie fest zu halten und der Welt preiszugeben.

Pünktchen bloggt über ihr sich und ihre Familie.

Pünktchen bloggt über sich und ihre Familie.

Der Blog gewährt Einblicke in die Familie

In dem Blog papatyam erzählt das aus der Türkei stammende Pünktchen, Geschichten aus seiner Kindheit, seiner Familie und befasst sich generell mit so ziemlich allen Themen aus dem Alltagsleben. Die Mutter zweier Söhne gibt einen wunderbaren Einblick in das Leben einer Familie und was für eine bedeutsame Rolle sie für Pünktchen spielt. Wir fanden ihre Geschichten äußerst fesselnd und wollten mehr über die Bloggerin erfahren.

Hallo Pünktchen, sag mal, wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen zu bloggen und wann hast du angefangen zu bloggen?

babyhandAlles begann damit, dass ich mit unserem ersten Wunschkind Mutter wurde. Neben der Glückseligkeit und Arbeit mit erst mal einem, später dann einem weiteren Wunschkind, verbrachte ich meine Tage und Nächte mit diesen. Ich war hin und weg von diesen zauberhaften Geschöpfen – dafür war alles andere hin und weg von mir. Erst mit der Zeit bemerkte ich, wie ich innerlich mehr und mehr verkümmerte. Es war kaum noch möglich, meinen persönlichen Interessen in gewohnter Weise nachzugehen. Ich entwickelte einen regelrechten Hunger und Durst nach Input. Eines Tages, irgendwann am Abend, als ich in Ruhe im Netz surfte entdeckte ich rein zufällig den ersten Blog. Damals wusste ich gar nicht, was das ist: ein Blog. Über die Linkliste sah ich weitere. Ich surfte und surfte stundenlang, bis ich begriff. Da waren die vielfältigsten Menschen und ihre Blogseiten mit den unterschiedlichsten Themen zu Gott und der Welt. Wenn ich die übervollen Tage mit meinen kleinen Söhnen verbracht hatte, dann gab es kaum noch Energie für etwas anderes. Das Besuchen von Blogseiten eröffnete mir eine wunderbare Welt ohne jeglichen Aufwand. Weder musste ich mich hübsch zurecht machen, noch einen Babysitter für die Kinder organisieren, geschweige denn das Haus verlassen. Nur wenige Klicks und ich betrat andere Welten. Sehr lange las ich nur schweigend, sog alles begierig in mich auf. Weitere Jahre vergingen und ich spielte mit dem Gedanken, auch „so etwas“ zu tun. Aber so richtig getraut habe ich mich auch nicht. Es dauerte beinahe sechs Jahre… und dann war es am 3.Juli 2011 soweit.

Was inspiriert dich?

Würde die Frage lauten, was mich nicht inspiriert, dann wären wir mit der Antwort vermutlich eher durch. Ich versuche mich kurz zu fassen: Inspiration kann so Vieles sein für mich. Bei dem einen Blog kann es die Sprache sein, die mich fesselt, der Humor oder ein gekonnter Umgang mit Worten, mit dem jemand von etwas erzählt. Der nächste hat vielleicht besondere Talente im Handwerk, oder lebt anderswie seine Kreativität aus, die er auf seiner Seite offenbart. Es kann aber auch durchaus etwas sein, was mir komplett fremd ist – so lange es in irgendeiner Form ansprechend dargeboten wird, lese ich mir so ziemlich alles durch und schaue es mir an. Inspiration ist alles, was mich letztlich beseelt und begeistert, neue Ideen in mir hervor bringt und diese auch für andere erfahrbar macht.

Über was bloggst du am liebsten?

Näharbeit Es gibt viele, viele wunderbare Blogs. Manch‘ eine Zeitschriftenredaktion kann von solchen Beiträgen nur träumen. Der eine schreibt darin ausschließlich über seinen Garten, seine Handarbeiten, Kunst, erzählt von Familie und Kindern, Tieren oder was auch immer. Mich interessiert ein Mischmasch aus allem. Und so ist auch mein Blog. Es gibt darin Geschichten aus unserem alltäglichen Leben, Dinge, die ich für und mit unseren Kindern entdeckt habe und nun anderen vorstelle, Anekdoten und Anekdötchen aus unserem Leben mit unseren Kindern, manches aus dem Garten, ab und an mal etwas Handarbeit, genauso wie kleine Erzählungen aus meiner Kindheit. Grundsätzlich blogge ich am liebsten über das, was mich gerade bewegt und berührt.

Du bist als Kind nach Deutschland gekommen – wie war das für dich?

Ehrlich?! Für mich war das ein ganz großer Schock. Prägende Kindheitsjahre verlebte ich in der Türkei in liebevoll enger und großer Familiengemeinschaft. In Deutschland gab es von jetzt auf gleich nur noch meinen Vater, meine Mutter und mich. Ich habe stets ein sehr enges und liebevolles Verhältnis zu meinen beiden Eltern gehabt, aber all die anderen Menschen, die ich auch sehr liebte, waren plötzlich weg. Ganz weit weg. Obendrauf eine Sprache, die ich weder verstand noch sprechen konnte, eine fremde Kultur, an die man sich behutsam herantasten musste. Das war weiß Gott nicht einfach. Ich habe lange und ernsthaft am Verstand meiner Eltern gezweifelt, dass sie diesen wahnsinnigen Schritt tun konnten. Viele Jahre später erst machte ich meinen Frieden damit.

Aus deinen Posts liest man heraus, wie wichtig dir deine Familie ist. Was sagen denn dein Mann und deine Söhne zu deinem Blog? Und dein Vater?

Ja, das stimmt. Meine Familie ist mir sehr wichtig. Ohne sie – den Gedanken kann ich noch nicht einmal in der Theorie zu Ende denken – wäre alles andere nicht mehr viel für mich. Bevor ich „Papatyam“ ins Leben rief, habe ich natürlich mit ihnen darüber gesprochen. Mein Mann hat mich darin unterstützt und schaut ab und an mal inkognito auf meinem Blog vorbei. Inzwischen schaut mir sogar unser Erstgeborener, der ja nun auch lesen kann, mit seinem kleinen Bruder über die Schulter. So klein sie auch sind, sind sie meine ehrlichsten Kritiker. Ohne ihre Genehmigung geht hier nichts raus. Ab und an wird auch erfolgreich vom Vetorecht Gebrauch gemacht. Dann darf ich auch mal etwas nicht schreiben oder zeigen. Was habt ihr denn geglaubt?!

 Lesen sie ihn?

Ja, unbedingt. Vielleicht nicht jeden Tag, aber immer wieder. Mein Vater ist reich an Lebensjahren. Die einfachsten Dinge machen ihm nun zu schaffen. Mal schafft er es, ins Internet zu gehen, dann wiederum gelingt es ihm nicht. Oder aber er hat nicht immer Internetzugang. Er hat mich mit meiner Mutter schon als Kind stets darin bestärkt zu schreiben, mich in dieser oder auch anderer Form auszudrücken.

Was willst du mit deinem Blog erreichen?

beschriebenes BuchDas ist eine wirklich gute Frage. Denn am Anfang meiner Bloggerei war selbst mir das nicht so wirklich klar. Inzwischen hat sich manches heraus gebildet. Ich möchte neben diesem oder jenem gerne Geschichten schreiben. Das zu tun ist mir ein innerer Drang, denn ich habe so lange ich denken kann, immer schon geschrieben und schreiben wollen. Das mittels eines Blogs tun zu können ist bislang eine wunderbare Möglichkeit. Dabei soll es nicht um irgendwelche, sondern um wahre Geschichten aus meinem Leben gehen. Geschichten aus der Sicht eines sogenannten Ausländerkindes der zweiten Generation in Deutschland. Ein Leben von vielen anderen in jener Zeit. Es gab damals nicht sehr viele Berührungspunkte zwischen dem Gros der Deutschen und Türken. Viele trauten sich nicht aufeinander zuzugehen, andere wünschten ausdrücklich keine Annäherung oder Begegnungen mit den Fremden. Dennoch ereigneten sich Geschichten zwischen Deutschen und Türken. Geschichten, von denen kaum jemand erfuhr, oder sie gar erzählte. Unter anderem möchte ich über jene Zeit schreiben. Immer auch aus der Sicht des kleinen Mädchens, das ich damals war. Ich möchte noch Jahrzehnte später eine Möglichkeit erschaffen, die einst herrschenden Barrieren zu lösen, Interessierte an unserem damaligen Leben in Deutschland teilhaben zu lassen. Wer offen genug ist, einen Blick über den Zaun werfen und zuhören möchte, ist herzlich eingeladen mein Gast zu sein.

Im Augenblick geschehen spannende Dinge. Mitte September erreichte mich die Anfrage einer Verlagsmitarbeiterin/Autorenbetreuerin, welche sich für eine Publikation interessierte. Diese sollte sowohl als Printversion, als auch als E-Book im Buchhandel vertrieben werden, sofern es zu einem Abschluss gekommen wäre. Ich gebe zu, dass mir das Interesse an meinem Blog gefallen hat, aber etliche Punkte blieben mir noch unklar. Wo andere an meiner Stelle vielleicht gejubelt hätten, da sehe ich viel zusätzliche Arbeit auf mich zukommen. Und was ich beim besten Willen nicht ausblenden kann, das sind unsere Kinder und mein alter Vater, der jedes Jahr für einige Monate bei uns lebt. Sie alle brauchen mich sehr. Und diese Zeit mit ihnen ist mir in jeglicher Hinsicht einfach zu kostbar, um sie meinem Ego unterzuordnen. Manche Dinge brauchen Zeit. Was nicht heute sein kann, darf irgendwann mal zum Zuge kommen. Aber, und das ist das Schöne: auf meinem Blog geht es auf jeden Fall weiter. Auf meiner Seite kann ich schreiben und sogleich “veröffentlichen” – so wie es meine Zeit erlaubt. Ich erhalte Reaktionen darauf. Dazu benötige ich keinen Verlag. Für mich persönlich ist das zurzeit die optimale Form des Schreibens. Völlig unabhängig und frei bin ich in allem, was ich diesbezüglich tue – es sei denn, meine Familie macht Gebrauch vom Vetorecht ;-).

Es ist doch so, dass jeder Mensch eine Spur im Leben hinterlassen möchte, bevor er seine letzte und endgültige Reise antritt. Schmerzlich stelle ich fest, dass nach und nach unsere Ältesten gehen. Mit ihnen gehen viele Geschichten verloren, wenn keiner sie bewahrt. So möchte ich auch über unsere Familien schreiben – über die meines Vaters genauso, wie über die meiner Mutter. Wie könnte ich das nicht wollen?! Schließlich bin ich aus der Verbindung dieser Familien hervor gegangen.

Vielen Dank für die Fragen. Es hat mir Spaß gemacht, sie zu beantworten.

Und wir bedanken uns ebenfalls ganz herzlich dafür, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen genommen haben!

 

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