In güldenem Glanze: Hochzeit im Herbst
20. Oktober 2014 – 12:25 | Kein Kommentar

Wer sagt, dass der Herbst die kargste Jahreszeit ist, der hat sich gewaltig geirrt. Denn jetzt erst taucht die Sonne die Natur und die Laubwälder in sattes Gold und zeigt, was der Sommer hervorgebracht hat. …

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Das totgeschwiegene „Hormon-Baby“

Geschrieben von admin am 2. April 2014 2 Kommentare|

Es ist ein Thema, über das man in Deutschland gerne betreten schweigt. Doch es ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit: Was kann ich als Mutter tun, wenn mir der eigene Kinderwunsch unerfüllt bleibt? Die eine Wahrheit ist: Immer mehr Paare in Deutschland bleiben ungewollt kinderlos. Die andere: Es gibt mehr Möglichkeiten denn je, um das zu ändern. Ein Gespräch mit einer Mutter, die sich ihre Zwillinge durch eine nervenzehrende Hormonbehandlung hindurch erkämpfte und ein Appell zu mehr Offenheit im Umgang mit Kinderwunschtherapien.

kinderwunsch schwanger baby hormonbehandlung

Wenn Wunsch und Wirklichkeit genau eine Babybauch-Breite voneinander entfernt liegen.

Die ewige Grundsatzdebatte

Das evolutionsbiologische Lager vertritt die radikale Ansicht: Wer nicht auf natürlichem Weg schwanger werden kann, der soll sich auch nicht fortpflanzen. Unsere heutige Interviewpartnerin Frida Petersen kann „den Schwachsinn nicht mehr hören“. Da verbringe sie lieber Zeit mit ihrer Familie. Eine Familie, die sie nur einer kräftezehrenden Hormontherapie, ihrem unerbittlichem Willen und einem Ehemann mit Nerven aus Stahl zu verdanken hat. Sieben Monate versuchte sie, mit ihrem Partner ein Kind zu zeugen, bis sie endlich Gewissheit wollten und sich Tests unterzogen. Am Ende lag es an der Zeugungsunfähigkeit ihres Mannes. In ihrem E-Book „Er, ich und Hormon-Ich. Tagebuch einer Kinderwunschtherapie“ nimmt sie den Leser mit auf ihren emotionalen Weg zum eigenen Kind – das der Storch dann gleich im Doppelpack in ihre Arme flattern ließ.

Die Nachricht, die bis ins Mark erschüttert

Auch wenn die heutige Konsumgesellschaft es gerne mal verschleiert (schließlich wollen alle Frauen ja nur wie Barbies aussehen und einen Dampfreiniger 6000), so ist der Kinderwunsch eines der fundamentalsten Bedürfnisse der Frau. Bleibt er unerfüllt, kann er das weibliche Geschlecht bis an die Grundmauern erschüttern.

frida petersen kinderwunschtherapie

Frida kann nach langer Leidenszeit wieder lächeln.

Womensvita: Wann hast du zum ersten Mal geahnt, dass etwas nicht stimmt?

Ich bin schon ein paar Jahre bevor wir einen aktuellen Kinderwunsch hatten aufgrund eines sehr schlechten PAP Wertes (Anm. d. R.: ein Krebsabstrich) am Gebärmutterhals operiert worden. Ab dem Zeitpunkt hatte ich Angst, dass sich diese Operationen auf eine mögliche Schwangerschaft negativ auswirken könnten. Ich kann aber beruhigen, damit hatte es dann gar nichts zu tun. Davon abgesehen wurde im Rahmen der Kinderwunschtherapie eine schwere Endometriose (Anm. d. R.: Erkrankung de Gebärmutterschleimhaut) bei mir festgestellt, die ebenfalls operiert werden musste. Ob es klappen würde, war dann fraglich. Das größte Problem war aber letztlich die Zeugungsunfähigkeit meines Mannes, die eine eintretende Schwangerschaft von vornherein verhindert hat. Diese Möglichkeit hatten wir überhaupt nie in Betracht gezogen und waren wahnsinnig geplättet, als wir das ärztliche Ergebnis bekamen.

Was ging durch deinen Kopf, als der Arzt dir sagte, dass du nie auf natürlichem Weg schwanger werden wirst?

Das war in unserem Falle andersrum. Mein Mann rief mich an und sagte mir, dass sein Urologe ihm gesagt habe, er könne keine Kinder zeugen. Das war ein ziemlicher Hammer. Was in meinem Mann vorging, kann ich nicht sagen. Ich kann mich nur erinnern, wie er ausgesehen hat, als ich ihn am Abend zu Hause traf. Männer reden da nicht offen drüber, aber manchmal sagt ein Blick mehr als 1000 Worte.

Die Botschaft, keine Kinder kriegen zu können, stürzt viele Frauen in tiefe Trauer. Schließlich geht es um ihre fundamentalen und existenziellen Bedürfnisse. Hast du irgendwelche konkreten Tipps für Frauen, die das gleiche durchmachen?

Die Botschaft, keine Kinder kriegen zu können ist, in den meisten Fällen falsch. Gott sei Dank! Es ist eher die Botschaft, auf natürlichem Wege keine Kinder oder nur sehr schwer Kinder bekommen zu können. Keine Frage, so eine Nachricht haut jeden aus den Socken. Es ist ja nicht so, dass man das zufällig herausfinden würde. Meistens folgt eine Untersuchung mit einem solchen Ergebnis auf einen langen vergeblichen Kinderwunsch, auf viele negative Schwangerschaftstests und nach viel Hoffen, nach vielen Fällen, nach vielen Enttäuschungen. Denn in der Regel heißt es ja, man soll sich schon mal ein Jahr Zeit lassen, das sei ganz normal.

Ungewollte Kinderlosigkeit in Zahlen und Fakten

künstliche befruchtung kinderwunsch

Künstliche Befruchtung ist für viele Frauen der Ausweg aus einer langen Krise.

Auf Zeit Online haben wir eine Infografik zum Thema ungewollte Kinderlosigkeit gefunden: So sollen etwa ein Sechstel aller Männer und Frauen in der Altersgruppe 25-59 ungewollt kinderlos sein. Die Wahrscheinlichkeit für eine Unfruchtbarkeit steigt bei der Frau ab dem 35. Lebensjahr rasant an. Im Alter von 45 Jahren liegt sie schon bei weit über 60 Prozent. Natürlich ist die statistische Erfassung nur eingeschränkt möglich, doch solche Zahlen lassen gut erahnen, wie viele Paare in Deutschland um Nachwuchs kämpfen. Frauen haben dabei viele Möglichkeiten mit immer höheren Erfolgsquoten: Insemination, In-Vitro-Fertilisation, Intrazytoplasmatische Spermieninjektion, Embryotransfer und viele mehr. Doch sie stoßen auch an viele Schranken – bei Krankenkassen, durch mangelnde Aufklärung und in den Köpfen Anderer. Frida hatte Glück im Unglück und bekam ihre Behandlung erstattet.

Kannst du uns erklären, wie genau deine Kinderwunschtherapie ablief und was es besonders zu beachten gilt?

Uns wurde zunächst zu Inseminationen geraten, die aber zu nichts geführt haben. Das war mir zwar eigentlich vorher klar, aber da wir unsicher waren, ob die Krankenkasse die Kosten für eine ICSI übernehmen würde, haben wir es erstmal auf diesem ‚günstigen’ Weg versucht. Zum Glück wurde uns die ICSI dann gezahlt, die ganz ‚normal’ ablief: Hormonspritzen, Zyklusstimulation, Eizellpunktion, Befruchtung, Transfer, Einnistung, Schwangerschaftstest. Der war zum Glück positiv.

Wie übersteht ein Paar diesen Schock?

Frida ist bei weitem nicht die einzige Frau in Deutschland, die nicht auf natürliche Weise schwanger wurde und mit einer Kinderwunschtherapie nachhalf. Und ihr Mann ist Teil einer großen Reihe von Gleichgesinnten, die ihren Frauen keine Kinder schenken können. Die Belastung für beide Partner und die Beziehung ist groß.

Wie hat sich dieser Kinderkampf auf deine Beziehung ausgewirkt?

Das war kein Kinderkampf, das war eher ein Hormonkampf. Leider ist es so, dass egal wer die Ursache für die Zeugungsunfähigkeit ist, der Großteil der Therapie an der Frau hängenbleibt. Ich bin ja ohnehin ein ziemlich Mond-anfälliger Mensch. Mit den zusätzlichen Hormonen der Therapie, die ich mir jeden Tag spritzen musste, bin ich, um ehrlich zu sein, ziemlich abgedreht. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt trifft es entfernt. Das war grauenhaft. Ich kann mich im Nachhinein nur erinnern, dass ich entweder geweint oder geschrien habe. Und dass mein Mann mich so lange ertragen hat, ein Rätsel. Was beide Partner in diesen Situationen nicht vergessen dürfen, ist: man ist nicht man selbst. Es ist eine absolut extreme Ausnahmesituation, wie man sie vielleicht nie im Leben wieder erleben wird. Es ist Angst, es ist Hoffnung, es ist Enttäuschung, und dann ist es wieder Angst. Ein Teufelskreis. Es ist vermutlich die härteste Prüfung, die ein Paar durchmachen kann. Und ich wünsche das niemandem. Aber ich habe es hinter mir und meine Beziehung ist daran gewachsen.

Zum Schluss die Frage, die wohl alles sagt:

Würdest du es nochmal tun?

Sofort.

Bilder: Shutterstock.com/RioPatuca/koya979, derkleinemuc2.wordpress.com

2 Kommentare »

  • Ich finde es grundsätzlich immer positiv, wenn das Thema der künstlichen Befruchtung in die öffentliche Wahrnehmung geholt wird. Super daher, dass Frida, die auch einen tollen Blog schreibt, sich dem Interview so offen gestellt hat.
    Ich finde den Artikel an sich jedoch leider zu einseitig, denn der größere Teil der Kinderwunschpaare bleibt auch nach reproduktionsmedizinischen Maßnahmen kinderlos – und dies wird hier nicht deutlich, hätte aber dazu gehört, finde ich.
    Wie fast immer fokussiert alles auf den Erfolg dieser Behandlungen: die Geburt eines Kindes. Erfolg ist meiner Meinung nach aber auch, nach mehreren erfolglosen Behandlungszyklen ein Leben ohne Kinder akzeptieren zu lernen und auch diese Krise zu überwinden – und das ohne all die Unterstützung, die es für aktive Kinderwunschpaare gibt. Dort wo die teuren Behandlungen enden, endet auch jede Form von Hilfestellungen. Und die vorgeschriebenen psychologischen Beratungen der Kliniken dienen meiner Erfahrung nach mehr dem Zweck, die Klientel bei der Stange zu halten.
    Mehr noch als das Hormonbaby wird wohl heute die Tatsache totgeschwiegen, dass unendlich viele Paare auch mit IVF & Co nicht Eltern werden – und ungewollte Kinderlosigkeit wird in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Wahrnehmung vieler Betroffener nicht mehr als ein persönliches Schicksal verstanden, wird doch nur all zu oft suggeriert, dass heute alles machbar sei. Geht nicht gibt´s nicht? Doch – viel öfter als man denkt. LG, Isa

    • mcb sagt:

      Liebe Isa, vielen Dank für deinen Kommentar! Du hast natürlich vollkommen recht. Bei diesem Artikel haben wir uns auf Fridas Schicksal beschränkt, um einen kleinen Einblick in den Kampf um ein Baby zu geben und Mut zu machen. Ebenso wichtig ist aber die Unterstützung der Frauen, die diesen Kampf nicht gewinnen können und lernen müssen, ein Leben ohne Kind zu akzeptieren. Und auch diesen Frauen muss man Mut machen! Wir werden versuchen, das bald in einem Artikel zu thematisieren!

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